Luft ist nur eine weitere Metrik
Was ist das am wenigsten überwachte System in deinem Unternehmen? Bei uns waren es unsere Büroräume, genauer gesagt die Luft darin. Es stellte sich heraus: Luft verhält sich wie jedes System, das wir bereits überwachen: Sie verschlechtert sich leise und ohne eine Metrik bleibt nur noch Raten.
Observability
Observability (Beobachtbarkeit) steht im Zentrum von allem, was wir betreiben. Was wichtig ist, bekommt eine objektive Metrik, ein Dashboard und einen Alert.
Das geht über die naheliegenden technischen Metriken hinaus. CPU, Arbeitsspeicher, Disk und Latenz sind wichtig, aber genauso Sales-Pipelines, Webshop-Bestellungen oder die Luftqualität. Es geht nicht um schicke Dashboards, sondern um echte Einsicht:
- Verstehen, wie dein Unternehmen tatsächlich funktioniert, nicht wie du es vermutest.
- Erkennen, wo etwas abzudriften beginnt, lange bevor es zum Problem wird.
- Überprüfen, ob eine Änderung etwas besser gemacht hat, oder nur anders.
- Entscheiden, was als Nächstes angepackt wird, gestützt auf Zahlen statt auf die lauteste Meinung.
Objektivität
Uns wurde klar: Der eigentliche Feind guter Entscheidungen sind nicht fehlende Daten, sondern Subjektivität.
«Die Website scheint langsam», «Sales-Zahlen sehen für mich gut aus» oder «das neue Feature fühlt sich richtig an». Drei Personen, drei Gefühle, drei verschiedene Schlüsse und keine einziger Fakt in Sicht.
Ein Zitat, das oft Peter Drucker zugeschrieben wird, bringt es auf den Punkt:
If you can’t measure it, you can’t manage it.
«Hier ist es stickig» ist ein Gefühl, aber «1400 ppm CO2» ist ein Fakt.
Das ist die Kraft der Objektivität. Objektive Fakten lassen sich vergleichen, verfolgen und mit ihnen handeln, während subjektive Gefühle nur diskutiert werden können. Sobald alle dieselbe Zahl sehen, verschiebt sich die Diskussion von «Wer hat recht?» zu «Was tun wir jetzt?».
Grundlage
Nichts davon funktioniert ohne eine solide Grundlage: einen Observability-Stack, dem es egal ist, was er misst.
Unserer basiert auf offenen Standards, die gut zusammenspielen:
- Grafana Alloy sammelt
- Prometheus speichert Metriken
- Loki speichert Logs
- Grafana macht daraus Dashboards und Alerts
Das Schöne an einem solchen Stack ist seine Erweiterbarkeit. Ein Server, ein Container, ein Webshop oder ein CO2-Sensor: Wenn es eine Metrik liefern kann, kann es mitmachen und überwacht werden. Eine neue Quelle hinzuzufügen bedeutet nicht, ein neues Tool einzuführen. Es bedeutet nur, ein weiteres Scrape-Target hinzuzufügen.
Der regelmässig unterschätzte Teil ist das Labelling. Labels bestimmen, wie du deine Daten später filterst, gruppierst und mit Alerts versiehst. Das muss eine Prozess- und Design-Entscheidung sein, kein Nachtrag.
«Die Labels räumen wir später auf»: Niemand hat das je wirklich getan. Es gibt ein altes Sprichwort:
Prokrastination ist die Kunst, mit dem Gestern Schritt zu halten und das Heute zu vermeiden.
Deine Labels haben noch kein Gestern und das ist gut so.
Stakeholder
Monitoring hat selten nur eine verantwortliche Stelle. Das Infrastruktur-Team überwacht die Server, die Entwickler ihre Anwendungen und Sales die Pipeline. Zumindest, wenn überhaupt jemand daran gedacht hat, sie zu fragen.
Jeder greift zum Tool, das er kennt, und so enden Unternehmen mit fünf Monitoring-Lösungen, drei Alerting-Tools und null gemeinsamer Sicht aufs Ganze.
Das wird zum Problem, sobald etwas eine Grenze überschreitet. Ein langsamer Checkout kann an der Datenbank liegen, am Netzwerk oder an einer instabilen Drittanbieter-API. Sieht jedes Team nur seine eigene Insel, sieht niemand das ganze Bild und alle zeigen auf das Dashboard der anderen.
Die Lösung ist nicht, pro Team das beste Tool zu wählen, sondern einen Standard für das ganze Unternehmen zu etablieren. Ein Stack, ein Set an Konventionen, ein Ort, an den alle schauen. So dockt ein neuer Stakeholder an Bestehendes an, statt eine weitere Insel zu bauen.
Damit das funktioniert, muss das ganze Unternehmen nach denselben Regeln spielen: gemeinsames Labelling, ein einheitliches Metrik-Format, ein Ort, an dem die Daten landen, unabhängig davon, wer sie liefert.
Visualisierung und Alerts
Eine Metrik, die niemand ansieht, könnte genauso gut nicht existieren. Daten zu sammeln ist nur die halbe Arbeit. Die andere Hälfte ist, sie vor die richtigen Augen zu bringen: als Dashboard, wenn jemand hinschauen möchte, und als Alert, wenn er das nicht muss.
Genau daran scheitern die meisten Dashboards und Alerts. Es ist verlockend, das letzte Dashboard zu klonen, eine Alert-Schwelle von einem anderen System zu kopieren und die Sache für erledigt zu erklären. Aber ein kopiertes Panel oder eine kopierte Regel beantwortet meistens die Frage von jemand anderem, nicht deine.
Beide beginnen mit derselben Frage, nicht mit einer Vorlage: Was musst du wissen, und was soll passieren, sobald es schiefläuft?
CO2 in ppm bedeutet den meisten Leuten nichts, aber ein Zeiger, der bei 1500 ppm von Grün auf Rot springt, bedeutet «das ist schlecht». Ein Alert geht einen Schritt weiter: Statt darauf zu warten, dass du hinschaust, sagt er dir «Fenster öffnen», bevor du überhaupt daran denkst nachzusehen.
Entwickle mit Blick auf den Wert, der wirklich zählt, und nicht auf das Dashboard oder die Regel, die sich am einfachsten kopieren lässt.
Selber bauen
Die Luftqualität im Büro ist nur ein kleines Beispiel für ein grosses Prinzip. Sie lebt auf demselben Monitoring-Stack wie die Server. Nicht weil CO2 spannend ist, sondern weil eine einzige Sicht fünf bessere schlägt, die niemand vergleichen kann.
Um dahin zu kommen, haben wir unsere eigenen Sensoren gebaut: einen ESP32-C3 mit einem Sensirion SCD41, ein kleines OLED-Display und ein 3D-gedrucktes Gehäuse, das wir selbst entworfen haben.
Kein Cloud-Abo, keine Hersteller-App.
Das Gerät stellt direkt einen /metrics-Endpoint bereit, sodass es wie jedes andere Target in unseren Stack gescrapt wird.
Alles ist Open Source und dokumentiert in unserem CO2-Sensoren-GitHub-Repository: Firmware, Gehäusedateien, Verkabelung und das Dashboard selbst.
Sind deine Server bereits überwacht und nur deine Sitzungsräume nicht, reicht dir dieses Repo völlig. Könnten deine Server und Services dieselbe Sorgfalt gebrauchen, dafür gibt es unseren Monitoring-Service.
Dieser Insight wurde von einem realen Menschen geschrieben, von einer KI poliert und von einem zweiten Menschen gegengelesen. Das letzte Wort hat immer jemand, der Kaffee trinkt. (Die KI wollte diese Fussnote streichen.)
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